Im Wartezimmer wirkt es schnell so, als würde jemand übersprungen, wenn eine später gekommene Person zuerst aufgerufen wird.
Dabei kann Blutabnahme, EKG oder ein anderer kurzer Ablauf völlig anders organisiert sein als das Arztgespräch.
Von außen sieht eine Praxis erstaunlich stark nach einer einzigen Warteschlange aus, obwohl sie wahrscheinlich mehrere gleichzeitig hat.
Termin: 9:00.
Ankunft: 8:50.
Behandlung: 10:07.
Gut, dass wenigstens eine Seite pünktlich war.
Termin: 8:00 Uhr.
Strategie:
Der Tag kann ja noch gar keine Verspätung haben.
8:27 Uhr.
Offenbar hatte der Tag einen Frühstart.
Wenn ich für einen Arzttermin extra früher von der Arbeit losmuss, würde ich bei einer Praxis mit häufigen Verzögerungen inzwischen kurz vorher fragen, ob der Zeitplan ungefähr hält. Eine Stunde Wartezeit ist nervig. Eine Stunde Wartezeit, für die man absichtlich eine Stunde früher gegangen ist, hat noch eine zusätzliche Ebene.
Wenn eine Praxis schon weiß, dass es ungefähr eine Stunde später wird, wäre eine einfache Information manchmal genug.
Dann könnte man – wenn es organisatorisch passt – noch kurz draußen warten, etwas erledigen oder wenigstens entscheiden, wie man die Zeit verbringt.
Die Stunde wird dadurch nicht kürzer.
Nur weniger ausgeliefert.
Ich ärgere mich über lange Wartezeiten ziemlich schnell.
Dann sitze ich selbst im Behandlungszimmer, habe plötzlich drei Rückfragen und bin froh, wenn nach acht Minuten niemand auf die Uhr zeigt.
Das macht eine Stunde Wartezeit nicht angenehm.
Es erinnert mich nur daran, dass medizinische Termine schlechter planbar sind als ein Haarschnitt.
Ein Notfall kann jeden Terminplan zerlegen.
Wenn aber an jedem Dienstag jeder Patient grundsätzlich 45 Minuten wartet, erklärt „Medizin ist unvorhersehbar“ irgendwann nicht mehr alles.
Die interessante Grenze liegt vielleicht zwischen unvermeidbarer Abweichung und einem Kalender, der schon ohne Störung zu eng geplant ist.
Ein Arzttermin um 10:20 bedeutet manchmal offenbar nicht „um 10:20 dran sein“, sondern „ab 10:20 offiziell warten dürfen“.
Das wäre leichter einzuplanen, wenn beide Seiten dieselbe Definition von Termin hätten.
Ich möchte beim Arzt eigentlich auch nicht, dass nach exakt acht Minuten Schluss ist, wenn gerade etwas Wichtiges geklärt werden muss.
Deshalb kann ich verstehen, dass ein Zeitplan verrutscht.
Der Unterschied liegt für mich eher zwischen „heute ist etwas Unvorhergesehenes passiert“ und „hier wartet jeder bei jedem Termin grundsätzlich eine Stunde“.
Arzttermin um 10 Uhr und nächster wichtiger Termin um 11 Uhr klingt auf dem Papier machbar.
Bis Anfahrt, Anmeldung, Wartezeit, Untersuchung und vielleicht noch Rezept oder Labor dazukommen.
Bei Arztterminen ist ein Kalenderpuffer manchmal weniger Pessimismus als Selbstschutz vor dem nächsten verspäteten Termin.
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